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Vorwürfe gegen Abdul Khan in Pakistan
Neue Enthüllung über den Nukleartechnologie-Handel
Der Verdacht, dass pakistanische Wissenschafter Informationen über Atomtechnologie weitergegeben haben, verdichtet sich. Angeblich hat Abdul Qadeer Khan, der «Vater der islamischen Atombombe», bei diesen Geschäften eine Schlüsselrolle gespielt.
Delhi, 28. Januar

Zum ersten Mal seit der Aufdeckung des geheimen Verkaufs von Atomwaffen-Technologie aus pakistanischen Quellen an Iran und Libyen ist Abdul Qadeer Khan, der «Vater der islamischen Atombombe», in die Schusslinie geraten. Am Mittwoch veröffentlichte die Tageszeitung «The News» einen längeren Artikel, in dem Personen aus dem Umfeld des Präsidialamts und der Geheimdienste zitiert werden, die Khan schwer belasten. Sowohl die Medien als auch die Regierung hatten ihn bisher geschont, weil er in der Öffentlichkeit den Nimbus eines nationalen Denkmals hat. Dazu bestand die Gefahr, dass Khan von den islamistischen Parteien zum Märtyrer gestempelt wird, der auf dem Altar der amerikanisch-pakistanischen Beziehungen geopfert werde.

Iranische Geldüberweisungen
Elf Mitarbeiter Khans sind vor zwei Monaten zu «Befragungen» in Gewahrsam genommen worden, doch Khan selbst wurde lediglich gebeten, sein Haus nicht zu verlassen. Er behielt seine hochrangige Funktion eines Regierungsberaters. In den letzten Wochen und Tagen hat sich der Verdacht der illegalen Weitergabe von Atomtechnologie jedoch weiter verdichtet, als bekannt wurde, dass Iran Millionen von Dollars auf private Bankkonten in Dubai überwiesen hat. Die Regierung ist offensichtlich zum Schluss gekommen, dass sie den Stall ausmisten muss, will sie verhindern, dass ihr Komplizenschaft (oder gar indirekte Täterschaft) vorgeworfen wird. Vergangene Woche hatte Präsident Musharraf an einer Pressekonferenz in Davos versprochen, er werde gegen die Schuldigen hart vorgehen. Seit einigen Tagen wird Khans Haus im Diplomatenviertel Islamabads von Geheimdienstleuten überwacht, und die Telefonverbindungen sind unterbrochen worden. Am Mittwoch schoss «The News» nun die erste Breitseite gegen Khan ab.

Laut der Zeitung waren es Khan und Mohammed Farooq, der für die Entwicklung der Gaszentrifugen verantwortliche Ingenieur, die Iran und Libyen die Blaupausen für die Zentrifugen verkauften, die nötig sind, um natürliches Uran zu waffenfähiger Dichte anzureichern. Sie sollen dies über einen internationalen Ring von Waffenhändlern mit Zentrum in Dubai getan haben, mit Mittelsmännern in Südafrika, Deutschland, den Niederlanden und Sri Lanka. Die Kontakte waren leicht herzustellen, da Khan und seine Gehilfen dabei das gleiche Netzwerk nutzen konnten, über das sie sich die für das pakistanische Atomwaffenprogramm nötigen Instrumente und Materialien besorgt hatten. Auch dem Irak und Syrien soll diese Technologie angeboten worden sein, doch sei es dabei nie zu einem Handel gekommen. Millionen von Dollars seien auf die Konten in Dubai geflossen, deren Hauptnutzniesser Abdul Qadeer Khan und Farooq gewesen seien.

Diese schwerwiegenden Verfehlungen seien möglich geworden, schreibt «The News», weil Khan im pakistanischen Nuklear-Establishment während Jahrzehnten eine praktisch uneingeschränkte Macht habe ausüben können, wie das der Name des wichtigsten nationalen Atomforschungsinstituts, «Khan Research Laboratories», erahnen lässt. Das «teuerste Ausgabenprogramm in der Geschichte der Nation», das mindestens zehn Milliarden Dollar verschlungen habe, sei praktisch keinen finanziellen Kontrollen unterworfen gewesen. Rund 50 000 Personen, unter ihnen 6000 Wissenschafter, sind laut dem Sprecher des Aussenministeriums in Islamabad im Atomforschungsprogramm beschäftigt. Verschiedene Beobachter, unter ihnen ein ehemaliger amerikanischer Botschafter in Pakistan, haben ausgesagt, dass die Armee und ihr Geheimdienst ISI über die Tätigkeit Khans zumindest unterrichtet gewesen seien.

Offizielle Beschwichtigungen
Die jüngsten Enthüllungen dürften den Militärs dazu dienen, für die Verfehlungen den «Vater der islamischen Bombe» verantwortlich zu machen. Musharraf hatte seine Anwesenheit in Davos letzte Woche dazu genutzt, um zu versichern, dass sich weder Regierungs- noch Militärpersonen jemals an solchen Aktivitäten beteiligt hätten. Auch der Sprecher des pakistanischen Aussenministeriums beteuerte am Dienstag, Pakistan sei eine verantwortungsbewusste Atommacht, die nie Waffenproliferation betrieben habe und dies auch nie tun werde. Auch wenn das Land das Abkommen über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen nicht unterzeichnet habe, befolge es dessen Bestimmungen freiwillig. Damit soll wohl die internationale Öffentlichkeit beruhigt werden.

 

Spekulationen um Abdul Khan in Pakistan
Der «Vater der Atombombe» ein Waffenschmuggler?
Laut Angaben amerikanischer Zeitungen gibt es Hinweise, dass Iran seine Bestandteile und Blaupausen für die Herstellung von waffenfähigem Uransprengstoff aus Pakistan erhalten hat. Der Verdacht richtet sich immer mehr gegen Abdul Khan, den «Vater der pakistanischen Atombombe», der in seiner Heimat wie ein Held verehrt wird.
By. Delhi, 23. Dezember

Amerikanische Zeitungen haben in den letzten Tagen berichtet, dass westliche Geheimdienste sowie Inspektoren der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) dem Geheimnis des iranischen Nuklearwaffenprogramms auf die Spur gekommen seien. Aufgrund von Dokumenten, welche die Regierung in Teheran in den letzten Monaten der IAEA übergeben hat, ziehen sie den Schluss, dass die entscheidenden Bestandteile und Blaupausen für die Herstellung von waffenfähigem Uransprengstoff aus Pakistan stammen. Zwar wird Irans Nachbar in den Dokumenten nicht direkt genannt. Die Dokumente und die sichergestellten Spuren von angereichertem Uran liessen aber, so zitierte die «Washington Post» am Sonntag einen Geheimbericht, den Schluss zu, dass das Material mit Gaszentrifugen extrahiert worden sei.

Traum von einer «islamischen Bombe»
Die Zentrifugen-Technologie war die Basis der in den siebziger Jahren in der britisch-deutsch- niederländischen Forschungsanstalt Urenco in Almelo in den Niederlanden entwickelten Anreicherungsanlage. Und in der Urenco arbeitete damals ein Metallurgie-Ingenieur namens Abdul Qadeer Khan, der 1976 abrupt seinen Arbeitgeber und die Niederlande verliess, zusammen mit, wie ein Gericht später feststellte, den Blaupausen für die Zentrifugen.

Khan war damals dem Ruf des pakistanischen Premierministers Zulfikar Bhutto gefolgt, der nach den indischen Atomwaffenversuchen zwei Jahre zuvor geschworen hatte, Pakistan werde «eher Gras essen als auf die Atomwaffe verzichten». Khan baute in Kahuta, zwischen Islamabad und der Grenze zum indischen Teil Kaschmirs, eine geheime Atomforschungsanlage, die auf der Basis von geschmuggeltem Material und mit grossem technischem Geschick die Voraussetzungen für die pakistanische Atombombe schuf. Als Indien im Mai 1998 erneut Atomwaffenversuche durchführte, war sein pakistanischer Erzfeind keine zwei Wochen später fähig, diese mit einer unterirdischen Kernexplosion zu beantworten. Khan, dessen geheime Tätigkeit paradoxerweise mit einer grossen Liebe zur Publizität einhergeht, war vom Staat immer schon als Held der Nation ins Rampenlicht gestellt worden, obwohl er in vielen Ländern mit einer Verhaftung hätte rechnen müssen. Nun wurde er der «Vater der pakistanischen Atombombe», und das Institut in Kahuta wurde nach ihm benannt.

In seinen Äusserungen gegenüber der Presse hatte Khan aber nicht nur von einer pakistanischen Bombe, sondern von einer «islamischen Bombe» geträumt. Die Untersuchungen über das iranische Nuklearwaffenprogramm haben nun gezeigt, dass dies wohl mehr als ein Traum war. Und die Ankündigung, dass auch Libyen ein solches Programm verfolgte, hat dem bereits früher geäusserten Verdacht neue Nahrung gegeben, dass Pakistan auch Oberst Ghadhafi mit Blaupausen versorgt und wahrscheinlich auch bei der Nutzung der Gaszentrifugen-Technologie unterstützt hatte. Bereits vor einem Jahr waren die Forschungslaboratorien in Kahuta in die Schlagzeilen gekommen, als bekannt wurde, dass die USA Pakistan verdächtigten, Nukleartechnologie an Nordkorea geliefert und von Pjongjang im Gegenzug Bestandteile von Raketen und Raketentechnologie erhalten zu haben. Khan war zu diesem Zweck offenbar selber öfter nach Nordkorea gereist.

Das Institut war damals von den USA mit einem Embargo belegt worden, und bereits zuvor war Khan als Leiter zurückgetreten, weil die pakistanische Regierung ihn aus der Schusslinie nehmen wollte. Dennoch blieb er ein von den Medien und vom Staat gefeierter Held, und jede illegale Proliferation wurde kategorisch geleugnet. Die jüngsten Vorwürfe sind nun aber offenbar so schwerwiegend, dass die Reaktionen in Islamabad differenzierter ausgefallen sind. Vor einigen Wochen verschwanden plötzlich drei enge ehemalige Mitarbeiter Khans. Als die Medien davon Wind bekamen, sah sich die Regierung zur Klarstellung gezwungen, die drei würden von den Behörden verhört. Und als der Bericht der «Washington Post» die Iran-Verbindung an die Öffentlichkeit brachte, signalisierte der Sprecher der Regierung Bereitschaft zur Zusammenarbeit bei der Untersuchung. Zugleich wurde darauf hingewiesen, dass sich die Vorwürfe auf Ereignisse bezogen, die sich lange vor der Übernahme der Macht durch Musharraf abgespielt hatten.

Enge Verbindungen zur Armee
Khan selber ist bisher offenbar nicht in die Untersuchungen einbezogen worden. Dies hat nicht nur mit seiner Popularität zu tun. Khans Schlüsselstellung und seine Tätigkeit wären ohne enge Verbindungen mit der Armee und dem Geheimdienst gar nicht möglich gewesen. Er kann daher in diesen Kreisen mit starker Unterstützung rechnen. Zudem hatte Khan, der nach der Unabhängigkeit im Jahre 1947 aus Indien nach Pakistan emigrierte, aus der nationalreligiösen Zielsetzung seiner Tätigkeit nie ein Hehl gemacht. Forscher aus seinem Umfeld waren vor zwei Jahren sogar verdächtigt worden, den Taliban nukleartechnische Geheimnisse vermitteln zu wollen. Khan kann also auch im Umfeld der islamistischen Parteien mit Unterstützung rechnen. Musharraf, der vor zwei Wochen einem (vermutlich islamistisch inspirierten) Attentat entgangen war, kann es sich nicht leisten, die Kombination der beiden Machtfaktoren Islam und Armee zu ignorieren. Doch auch die USA sehen dies ein und haben kein Interesse daran, ihren Verbündeten noch mehr in Bedrängnis zu bringen.

 

Abdul Khan entlassen
"Vater der pakistanischen Bombe" ist in Ungnade gefallen. Pakistan reagiert auf internationalen Druck
DELHI taz Pakistans oberste Instanz über Kontrolle und Einsatz von Atomwaffen, NCA, hat am Samstag Abdul Qadeer Khan entlassen. Der Sonderberater des Premierministers für strategische Programme im Rang eines Ministers stand seit Wochen unter wachsendem Druck.

Im letzten November hatte die Internationale Atomenergie-Agentur der pakistanischen Regierung Informationen auf den Verkauf von Blaupausen zur Herstellung von waffenfähigem Uran an Iran gegeben. Als Libyen im Dezember internationale Kontrollen zuließ, wurden ähnliche Vorwürfe gegenüber Pakistan erhoben. Daraufhin wurden 13 Wissenschafter der zentralen Forschungsstätte Kahuta Research Laboratories vernommen. Nur Khan war bisher verschont worden, obwohl der Verdacht sich immer stärker gegen ihn richtete.

Der Grund für die bisherige Zurückhaltung lag in der großen Popularität, die Khan als "Vater der pakistanischen Bombe" im Volk hatte. Khan selbst förderte diesen Ruf, indem er seinen Nimbus als Nationalheld betonte: "Wer baute die Atombombe? Ich tat es. Wer baute die Raketen? Ich stellte sie für euch her." Es ist nicht zuletzt dieser Anspruch, der ihn nun einholt. Als das Land im Mai 1998, nur zwei Wochen nach den indischen A-Versuchen, mit eigenen Atomtests diese Fähigkeit unter Beweis stellte, war Khan einer der mächtigsten Männer des Landes.

In der Erklärung vom Samstag "verurteilt und distanziert sich" die National Command Authority NCA "kategorisch von individuellen Akten der Indiskretion". Sie hält danach an der offiziellen Sprachregelung fest, wonach der Atomschmuggel das Werk von kriminellen Individuen und nicht von staatlichen Stellen war. Pakistan, das den Atomsperrvertrag nicht unterzeichnet hat, erfülle "weiterhin alle internationalen Vereinbarungen zur Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen". Ein Sprecher erklärte, die Entlassung Khans solle die Untersuchungen über die Vorwürfe erleichtern.

Allerdings bezweifeln Beobachter, dass Khan der Prozess gemacht wird. Er könnte nämlich auch die Armee belasten. Denn wenn einzelne Wissenschaftler Blaupausen verkaufen konnten, hatte die Armee ihre Pflicht der strikten Kontrolle des Atomwaffenprogramms verletzt. Oder, noch schlimmer, die Wissenschaftler waren nur Teil eines geheimen staatlich-militärischen Programms zum Export von solchem Wissen an befreundete islamische Staaten.

"BERNARD IMHASLY

Centerboek
ISBN 90-5087-027-9

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